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Die Amazon.com, Inc. (deutsche Aussprache [amaˈʦoːn], englisch [ˈæməzən]) ist ein börsennotierter US-amerikanischer OnlineVersandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette. Nach eigenen Angaben hat Amazon als Marktführer des Handels im Internet die weltweit größte Auswahl für Bücher, CDs und Videos. Über die integrierten Verkaufsplattformen „Marketplace“ und „z-Shops“ können auch Privatpersonen oder andere Unternehmen im Rahmen des Online-Handels neue und gebrauchte Produkte anbieten. Unter eigener Marke werden der Amazon Kindle als Lesegerät für elektronische Bücher, der Tablet-Computer Amazon Kindle Fire, das Smartphone Fire Phone, die Set-Top-Box sowie der HDMI-Stick Fire TV und das Spracherkennungssystem Echo vertrieben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Amazon.com, Inc. ist eine Gründung des Informatikers Jeff Bezos. Die Idee eines elektronischen Buchgeschäfts entstand zusammen mit dem Investor David E. Shaw, als Bezos in dessen Finanzunternehmen D. E. Shaw & Co. arbeitete. 1994 verließ er es, um die Idee allein weiterentwickeln zu können, und gründete noch im selben Jahr das Stammhaus, das US-amerikanische Mutterunternehmen Amazon.com, im US-Bundesstaat Washington als Online-Buchhandlung („online bookstore“). Im Juli 1995 verkaufte das Unternehmen auf seiner Internetplattform sein erstes Buch: Douglas R. Hofstadters Werk Fluid Concepts and Creative Analogies: Computer Models of the Fundamental Mechanisms of Thought.[3] Hierzu lud er 300 Freunde und Bekannte ein, seine Schöpfung zu testen. In den ersten vier Wochen verschickte das Unternehmen Bücher an Kunden in allen 50 US-Bundesstaaten und in mehr als 45 weitere Länder, im zweiten Monat lag der wöchentliche Umsatz bereits über 20.000 US-Dollar.[4] Im Oktober 1995 öffnete sich die Plattform mit der URL „amazon.com“ der breiten Öffentlichkeit.[5] Ursprünglich wollte Bezos sein Unternehmen Relentless nennen (englisch für unbarmherzig, unerbittlich, gnadenlos), Freunde sollen ihm jedoch davon abgeraten haben. Die Website www.relentless.com ist weiterhin Amazon zugeordnet.[6][7][8] Bereits 1996 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 15,7 Millionen US-Dollar und es steigerte ihn 1997 auf 147,8 Millionen.[9]

Das Jahr 1998 war durch die Gründung von ersten internationalen Webseiten gekennzeichnet. Mit Übernahme des Unternehmens Telebook Inc. – im April 1998 verkauften die Eigentümer den Mutterkonzern ABC-Bücherdienst GmbH, den damals führenden deutschen Internet-Versandbuchhändler und Online-Pionier, an Amazon für einen zweistelligen Millionenbetrag[10] – trat Amazon in den deutschen Absatzmarkt ein. Damals hatte Telebuch.de Niederlassungen in Spanien, den USA und Namibia. In Deutschland war das Unternehmen Marktführer im Online-Buchhandel. Zum 15. Oktober 1998 wurde die Seite „telebuch.de“ umbenannt in „amazon.de“.[11]

Seit 2006 entwickelt Amazon Web Services (AWS) Infrastrukturdienstleistungen zunächst für andere Unternehmen. Ab dem Jahre 2012 wurden diese Dienste mit der Technologie des Cloud-Computing auch für private Nutzer angeboten.[12] Im Juli 2009 übernahm Amazon für rund 850 Millionen Dollar den Online-Schuhladen Zappos. Amazon kündigte an, den Kaufpreis mit eigenen Aktien im Wert von 807 Millionen Dollar zu begleichen, zusätzlich mit 40 Millionen Dollar in bar für die Zappos-Beschäftigten.[13]

2011 übernahm Amazon den Online-Buchhändler The Book Depository Ltd. und damit den größten Wettbewerber innerhalb Großbritanniens.[14] Amazon ist neben entsprechenden Angeboten auf der eigenen Plattform auch durch AbeBooks auf dem Gebrauchtbuchmarkt tätig. AbeBooks wurde 2008 von Amazon übernommen.[15] AbeBooks übernahm 2011 außerdem das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB).[16] Dies wird ergänzt durch die 2005 übernommenen Vorläuferfirmen des Online-Publishers CreateSpace.com, der mit Sitz in North Charleston (USA) seit 2009 als „Independent Publishing Platform“ den Selbstverlag von Büchern als Print– und E-Book-Ausgaben sowie von Datenträgern für Musik- und Filmaufnahmen anbietet.[17] Seit Mai 2011 ist Javari.de ein Tochterunternehmen von Amazon Online. Javari ist ein Premiumanbieter für Schuhe, Handtaschen und Accessoires.[18]

Im März 2012 übernahm Amazon Kiva Systems, ein Anbieter für Lagerhaus-Automation, für 775 Millionen US-Dollar.[19] Im August 2012 wurde bekannt, dass Amazon unter der Firma Amazon Game Studio ein Unternehmen gegründet hat, dessen Zweck die Entwicklung und Vermarktung von Browserspielen ist.[20] Gleichzeitig wurde bereits das erste Spiel mit dem Namen Living Classics auf Facebook veröffentlicht. Nutzer müssen in diesem zahlreiche bewegliche Objekte in animierten Landschaften aufspüren, die wiederum im Stil eines Cartoons gestaltet sind. Im Frühjahr 2013 wurde zudem der Internet-Buchclub Goodreads für 150 Millionen US-Dollar übernommen.[21]

Am 2. Dezember 2013 gab Jeff Bezos in einem CBS-Interview als eine Art Marketing-Gag bekannt, dass Amazon unter dem Label Prime Air die Auslieferung von Bestellungen mit Rotor-Drohnen plane. Die vorgesehenen Drohnen besäßen demzufolge acht kleine Rotoren und könnten eine Nutzlast von maximal 2,5 Kilogramm transportieren. Die Reichweite betrüge 16 Kilometer. Experten zufolge sei dies aber nach jetzigem Stand weder technisch noch rechtlich realisierbar.[22] In Deutschland ist der Einsatz ziviler Drohnen außerhalb der Sichtweite des Piloten nach derzeitiger Rechtslage nicht möglich.

Deutschland

Amazon.com (Deutschland)
Zentrale: München
Zentrale: München
Kundenservicezentrale: Regensburg
Kundenservicezentrale: Regensburg
Kundenservicezentrale/Entwicklungszentrum: Berlin
Kundenservicezentrale/
Entwicklungszentrum: Berlin
Versandzentrum: Graben
Versandzentrum: Graben
Versandzentrum: Bad Hersfeld
Versandzentrum: Bad Hersfeld
Versandzentrum: Leipzig
Versandzentrum: Leipzig
Versandzentrum: Rheinberg
Versandzentrum: Rheinberg
Versandzentrum: Werne
Versandzentrum: Werne
Versandzentrum: Koblenz
Versandzentrum: Koblenz
Versandzentrum: Pforzheim
Versandzentrum: Pforzheim
Versandzentrum: Brieselang
Versandzentrum: Brieselang
Entwicklungszentrum: Dresden
Entwicklungszentrum: Dresden
Standorte von Amazon in Deutschland

Die deutschsprachige Website Amazon.de wird von Amazon EU S.a r.l. in Luxemburg betrieben. Die Entwicklungsabteilung der Website Amazon.de in München wurde Mitte 2004 geschlossen und ein Großteil der Mitarbeiter entlassen. Länderspezifische Anpassungen nehmen nun die britische Tochter Amazon.co.uk in Slough oder direkt Amazon.com in Seattle vor. Geschäftsführer von Amazon Deutschland ist seit 2002 der studierte Betriebswirt Ralf Kleber, welcher seit 1999 im Unternehmen ist.[23][24]

Deutschland ist der wichtigste Auslandsmarkt für Amazon: Der Erlös des Deutschland-Geschäfts von Amazon (amazon.de) belief sich im Jahr 2013 auf 10,5 Milliarden Dollar[25] und im Jahr 2012 auf 8,7 Milliarden Dollar[26] (umgerechnet 6,5 Milliarden Euro). 2012 waren das 21 Prozent mehr als im Jahr 2011 (7,2 Milliarden Dollar) und sogar 65 Prozent mehr als 2010 (5,3 Milliarden Dollar). Deutschland stand somit 2012 für 14 Prozent des Gesamtumsatzes von Amazon, der bei 61,1 Milliarden Dollar[26] lag.[27] Gemessen am Gesamtumsatz des deutschen Online-Handels im Jahr 2012, der nach dem Bundesverband des Deutschen Versandhandels bei 27,5 Milliarden Euro und nach Zahlen des Einzelhandelsverbands bei 29,5 Milliarden Euro lag, erzielt Amazon ein gutes Fünftel oder sogar fast ein Viertel des gesamten deutschen Online-Versandhandelsumsatzes.[27]

In Deutschland unterhält Amazon folgende Standorte:[28][29]

Standorte von Amazon Deutschland[30][31][32]
Art des Standorts Standort Kürzel Inbetriebnahme Fläche Mitarbeiter (2013)
Zentrale (Amazon Deutschland) MünchenSchwabing 2010
Kundenservice-Zentrum Regensburg 1998
Kundenservice-Zentrum Berlin-Mitte Juli 2011
Logistikzentrum Bad Hersfeld FRA1 und FRA3 1999 (FRA1) und 2009 (FRA3) 42.000 m² (FRA1) und 100.000 m² (FRA3) ca. 3200 (FRA1+3)
Logistikzentrum Leipzig LEJ1 August 2006 75.000 m² 2000
Logistikzentrum Werne EDE4 und EDE5 EDE4 (2010), EDE5 (2013) 60.000 (EDE4) 70.000 m² (EDE5) 1000
Logistikzentrum Rheinberg DUS2 2011 110.000 m² 1000 + 2000 Saisonkräfte
Logistikzentrum Graben MUC3 September 2011 110.000 m² 1000 + 2000 Saisonkräfte
Logistikzentrum Koblenz CGN1 September 2012 110.000 m² 1000 + 2000 Saisonkräfte
Logistikzentrum Pforzheim STR1 Herbst 2012 110.000 m² 1000 + 2000 Saisonkräfte
Logistikzentrum Brieselang BER3 Oktober 2013 70.000 m² 1000 + 2000 Saisonkräfte
Software-Entwicklungszentrum Dresden Mai 2013
Software-Entwicklungszentrum Berlin Mai 2013

Steuervermeidung mittels Gewinnverlagerung in Steueroasen

Mit dem „Double Irish With a Dutch Sandwich“-Prinzip vermeidet Amazon weitgehend inländische Ertragsteuerzahlungen und leitet seine deutschen Unternehmensgewinne ins Niedrigsteuerland Luxemburg um. Hierzu gründete der Konzern 2003 und 2004 die Amazon Services Europe SARL, die Amazon Europe Holding Technologies SCS und die Amazon EU SARL mit aktuellem Sitz in Luxemburg. Über die Zeit gelang es Amazon, dort über zwei Milliarden US-Dollar steuerfrei anzusparen.[33][34][35] Der Vorsteuergewinn in Deutschland betrug 2012 laut Presseberichten lediglich 10,2 Millionen Euro und die Steuern 3,2 Millionen Euro. Die in Luxemburg angesiedelte Amazon Europe Holding Technologies wies dagegen 2012 einen Gewinn von 118 Millionen Euro aus, entrichtete aber wegen der Luxemburger Steuergesetze dort keine Steuern.[36]

Unlauteres Verhalten im Wettbewerb: Amazons Preisparitätsklausel für Händler

Amazon zwang Händler, die über Amazon ihre Produkte vertreiben wollten, dazu eine Klausel zu akzeptieren, dass sie ihre Produkte nirgendwo billiger anböten als bei Amazon. Hierin sahen deutsche Aufsichtsbehörden eine illegale Behinderung von Wettbewerb. Amazon stellte, nachdem es über drei Jahre von diesem illegalen Verhalten profitieren konnte und diese Praxis maßgeblich den Ruf von Amazon stützte, günstiger zu sein, diese Praxis ab, um einem Kartellverfahren zuvorzukommen.[37]

Internationale Präsenz und weitere Standorte

Der Sitz der Konzernzentrale ist Seattle im US-Bundesstaat Washington, die europäische Unternehmenszentrale und Verwaltungssitz befindet sich in Luxemburg.

Seit 2005 unterhält Amazon ein Software-Entwicklungszentrum in Iași (Rumänien), im Juli 2011 eröffnete Amazon ein Seller-Support-Zentrum in Bratislava (Slowakei).

Im Herbst 2013 wurde bekannt, dass Amazon drei neue Versandzentren in Polen plant – eines in der Nähe von Poznań (Posen)(POZ1, seit Herbst 2014), die beiden anderen bei ‪Wrocław (Breslau) (WRO1/WRO2, seit Herbst 2014).[38][39][40] Weiters sollten zwei Verteilzentren in Tschechien entstehen, eines in Brünn (Brno), das andere in der Nähe des Flughafens Prag.[41] Im März 2014 wurde bekannt, dass der Bau des Logistikzentrums in Brno vorerst am Votum der Stadtvertretung gescheitert sein dürfte, die Gegner des Projektes argumentierten mit einer zu erwartenden hohen Belastung durch LKW-Verkehr.[42][43][44] Im Juni 2014 hat Amazon damit begonnen, Warenlieferungen für Deutschland über die neuen polnischen Logistikzentren in Posen und Breslau umzuleiten.[45][46]

Amazon hat lokalisierte Webseiten für die USA (.com), Großbritannien (.co.uk), Frankreich (.fr), Kanada (.ca), Deutschland (.de, s. Österreich und Schweiz), Italien (.it), Spanien (.es), Australien (.com.au), Brasilien (.com.br), Japan (.co.jp), China (.cn), Indien (.in) und Mexiko (.com.mx).

Österreich und Schweiz

Kunden von Amazon Österreich (Amazon.at) und Amazon Schweiz (Amazon.ch) nutzen die Dienste von Amazon Deutschland (Amazon.de GmbH), wobei aber die Inhalte lokalisiert und die Serviceleistungen abgestimmt sind.[47] Amazon nimmt auch auf diesen Absatzmärkten eine bedeutende Stellung ein.[48]

Angebotene Dienste

Amazon betreibt neben dem Hauptgeschäft, klassischer Buchverkauf, zahlreiche weitere Dienste wie beispielsweise die Online-Videothek Amazon Instant Video, den Hörbuchanbieter Audible, das Analyse-Tool Alexa Internet und die Filmdatenbank IMDb. Außerdem entwickelt Amazon seinen eigenen Suchalgorithmus namens A9, welcher für die Suchfunktion auf Amazon eingesetzt wird.

Amazon Marketplace

Daneben bietet Amazon auch Auktionen und den privaten oder kommerziellen Verkauf von gebrauchten oder neuen Waren an. Diese Angebote über Amazon sind als Alternativen zum „offiziellen“ Amazon-Produkt (Amazon Marketplace) aufgelistet und erwirtschaften den Hauptanteil des Betriebsergebnisses. Pro verkauftem Artikel behält Amazon eine Provision von 15 Prozent des Verkaufspreises (zzgl. USt) und zusätzlich 1,14 Euro ein sowie eine von Produktgruppe und Käuferland abhängige Versandtransaktionsgebühr, bei Büchern nach Deutschland beispielsweise 1,16 Euro zzgl. USt. Diese Gebühr wird von Amazon auch in dem Fall berechnet, wenn der Artikel privat verkauft (und versendet) wird. Der Käufer zahlt in Deutschland bei gebrauchten Büchern pauschal 3 Euro, womit Versandkosten und Provision abgedeckt sind, auch wenn der einzelne Artikel nur 0,01 Euro kostet. Daneben gibt es weitere Hilfsmittel für Anbieter von Artikeln. Amazon Advantage gibt Unternehmen und natürlichen Personen die Möglichkeit, ihre Produkte über den Amazon-Produktkatalog zu offerieren. Den Versand erledigt die Amazon Logistik GmbH auf Nachfrage („on demand“). Im Gegensatz zu Amazon Marketplace (wo der Verkäufer den Versand und die Logistik organisiert) nimmt Amazon vom Anbieter die Artikel in Kommission und lagert sie im Logistikzentrum. Die Artikel werden im „normalen“ Amazon-Katalog geführt, d. h. nicht über die anderen verfügbaren Plattformen wie Shops, Auktionen oder den Marketplace. Amazon.com vertreibt seit April 2004 auch eigene Produkte unter verschiedenen Handelsmarken wie Strathwood für Gartenmobiliar, Pinzon für den Wohnbereich, Pike Street als Billigmarke und Denali für Werkzeuge.[49] Populär wurde Amazon u. a. auch durch den Einsatz von Recommendation Engines („Kunden, die Produkt A gekauft/gesucht haben, haben auch B gekauft!“).

Amazon Instant Video

Seit 2005 bietet Amazon.de einen DVD-Verleih Lovefilm an.[50] Ab Mitte September 2006 startete es den Verkauf von FSK-18-DVDs; einen Verleih von nicht jugendfreien Titeln plante das Versandhaus zunächst nicht. 2008 übertrug Amazon diese Sparte an Lovefilm (Eigenschreibweise LOVEFiLM).[51] Im Januar 2011 wurde bekannt, dass Amazon Lovefilm komplett übernehmen wird. Im März 2013 wurde berichtet, dass Amazon eigene Fernsehserien produzieren will, die exklusiv auf eigenen Streaming-Angeboten vermarktet werden sollen.[52] Im Februar 2014 wurde das komplette Lovefilm-Angebot in die Amazon-Plattform implementiert.[53] Das Streaming-Angebot nennt sich seitdem Amazon Instant Video. Am 26. Februar 2014 ging unter dem Namen Amazon Instant Video ein auf Deutschland beschränktes Video-on-Demand-Angebot online, welches das Angebot von Lovefilm beinhaltet. Die Marke Lovefilm wurde in diesem Zuge aufgelöst. Die Möglichkeit, Filme und Serien auszuleihen, gibt es mit dem Angebot „Lovefilm DVD Verleih“ unter Amazon Instant Video für 7,99 Euro monatlich weiterhin. Das Prime-Angebot wurde um die Funktion „Prime Instant Video“ erweitert. Gleichzeitig wurde der Jahresbeitrag um 20 Euro erhöht. Eine Nutzung von Prime in der bisherigen Weise ist nicht mehr möglich.

Amazon Music

Im September 2007 startete Amazon in den USA mit der öffentlichen Beta-Phase des Musik-Downloadshops Amazon Music (ehemals Amazonmp3) und trat damit in den Wettbewerb der Online-Musikdienste ein. Die mehr als zwei Millionen Titel von über 180.000 Interpreten der Partner EMI, Universal und zahlreichen Independent-Labels werden DRM-frei im MP3-Format mit 256 kBit/s angeboten. Mit dem Verzicht auf einen Kopierschutz können die MP3-Dateien auf nahezu allen digitalen Musik-Playern abgespielt und ohne Einschränkung auf CD gebrannt werden. Ausgewählte Songs enthalten digitale Wasserzeichen, die die Dateien als Amazon-Music kennzeichnen. Die Einzeltitel kosten zwischen 89 und 99 US-Cent, Alben zwischen 5,99 und 9,99 US-Dollar. Im April 2009 startete der MP3-Download-Dienst in Deutschland.[54] Der Dienst bietet einige der über Amazon zum Verkauf stehenden CDs als digitale MP3-Downloads zu einem teilweise niedrigeren Preis an.

Bezahldienste

Anfang August 2007 startete Amazon eine Beta-Version der Online-Bezahlfunktion Flexible Payments Service (FPS).[55] Amazon Payments (auch „Bezahlen über Amazon“, engl. „Checkout by Amazon“) ist ein Dienst, mit dem Amazon-Kundenkonten auch bei Onlineshops genutzt werden können, die nicht zu Amazon gehören, ohne dass die Zahlungsdaten offengelegt werden müssten. Der Dienst, der seit 27. April 2011 bei den ersten deutschen Händlern verfügbar ist, ist für Kunden kostenlos, während Händler eine Gebühr pro Transaktion zu entrichten haben.[56]

Amazon Prime

Seit November 2007 gibt es auch in Deutschland den Amazon-Prime-Dienst, bei dem nach Zahlung eines jährlichen Mitgliedsbeitrags (erst 29 Euro in Deutschland (später 49 Euro) und in den USA seit 2005 79 US-Dollar) ohne weitere Kosten eine Vielzahl von Bestellungen am nächsten Tag – oder noch schneller mit vergünstigtem Expressversand – ausgeliefert wird.[57] Außerdem kann man als Prime-Kunde unbegrenzt tausende Videos über Amazon Instant Video (Prime Instant Video) streamen. Nach Untersuchungen des Analysten Morningstar hatte Amazon Anfang 2013 alleine in den USA rund 10 Millionen Prime-Kunden, die zusammen rund ein Drittel des operativen Gewinns generierten.[58]

Am 20. November 2014 gab Amazon bekannt, dass das Prime-Angebot von nun an auch in Österreich zur Verfügung stände. Dort kann man die gleichen Services wie in Deutschland nutzen – lediglich die Morning- und Evening-Express-Versandoptionen stehen nicht zur Verfügung. Die Preisgestaltung hierbei ist identisch mit der, die in Deutschland verwendet wird.[59]

Amazon Vine

Amazon richtete im Jahr 2007 in den USA und im Vereinigten Königreich und in Deutschland im Jahr 2010 das Programm Amazon Vine – Club der Produkttester ein. Hierbei erhalten ausgewählte Amazon-Kunden verschiedene Produkte, welche dann rezensiert werden müssen. Die Rezensionen werden – genau wie andere Benutzerrezensionen – auf den jeweiligen Produktseiten veröffentlicht, sind aber als Vine-Rezension kenntlich gemacht. Die Produkttester werden von Amazon direkt ausgewählt und dazu eingeladen. Vine-Mitglieder erhalten die Produkte stets kostenlos und können diese behalten.[60] Ursprünglich wurden die Produkte in einem zweimal monatlich erscheinenden Newsletter vergeben. Zum August 2014 stellte Amazon der Vergabeprozess um, sodass nun mehr das Produktangebot regelmäßig aktualisiert werden soll.[61]

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisierte das Programm, weil auffällig häufig positive Bewertungen das Bewertungssystem verzerrten.[60]

Sonstige Angebote und Geschäftsfelder

2005 übernahm Amazon den digitalen Buchdrucker Booksurge[62] und stieg damit in das Print-on-Demand-Geschäft ein.

Amazon.com betreibt auch die Einzelhandelsportale für Unternehmen und Organisationen wie Target, die NBA, Sears Canada, Bebe Stores, Timex, Marks & Spencer, Mothercare und Lacoste. Seit 2. November 2005 ist im Rahmen der Amazon Web Services die Beta-Version des neuen Internetservices Amazon Mechanical Turk freigeschaltet, ein Marktplatz für einfache Arbeiten über das Internet.

Auf der amerikanischen Amazon-Seite kann man mithilfe des „Amazon Honor System“ Spendenseiten einrichten, auf denen direkt durch die seiteneigene Kaufabwicklung bezahlt wird. Amazon behält Transaktionsentgelte pro Zahlungsvorgang. Es ist geplant, diesen Service in weiteren Ländern anzubieten.

Seit 2007 ist es für Websitebetreiber möglich, sich einen eigenen Amazon-Shop zu erstellen. Hinter „Amazon astore“ verbirgt sich ein neues Partnerprogramm, mit dem sich Websitebetreiber den Amazon-Shop mit ausgewählten Produkten oder ganzen Produktkategorien direkt auf die eigene Internetseite holen können.

Über ein Partnerprogramm Amazons in den USA, das allerdings nie ausgeübte Patentrechte besitzt, können Betreiber einer Website Links zu Amazon setzen, die rückverfolgbar sind, und erhalten bei Kaufabschluss eine Provision. Ergänzend zum Partnerprogramm bietet Amazon seit Sommer 2002 den Zugriff auf seine Produktdatenbank über den Amazon Web Service, einen Webservice, an.

Seit dem 17. April 2012 können Nutzer in Deutschland auf Amazon.de auch Videospiele und Software herunterladen.[63] Der bereits im März 2011 in den USA gestartete Amazon Appstore ist seit 31. August 2012 auch in Europa verfügbar.

Seit 1. Juli 2010 kann man auf Amazon.de auch Lebensmittel bestellen.[64] Bislang war das nur in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich möglich.[65][66]

Am 12. August 2014 wurde zudem die langjährige Schwelle der Versandkostenfreiheit von den bisher 20,00 Euro Mindestbestellwert auf 29,00 Euro erhöht. Diese neue Schwelle trat mit sofortiger Wirkung im Raum Deutschland, Österreich, Belgien, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande sowie in der Schweiz in Kraft.[67]

Technologien und Patente

Im September 1997 wurde die „1-Click“-Funktion eingeführt. Mit ihr ist, basierend auf der Cookie-Technik, der Vorgang der Bestellung mit nur einem Klick möglich. Am 28. September 1999 ließ sich Amazon diese Funktion in den USA patentieren (US-Patent Nr. 5.960.411[68]).[69] Amazon verklagte in den USA erfolgreich andere Unternehmen, auf deren Websites ebenfalls Produkte mit nur einem Klick bestellt werden konnten, obwohl Cookies ursprünglich vom Unternehmen Netscape entwickelt worden waren und es sich bei der One-Click-Technik nach verbreiteter Meinung um ein sogenanntes Trivialpatent handelt. In Deutschland ist eine solche Patentierung nicht zulässig.

Ein weiteres Patent hat das Unternehmen auf ein Nutzerrezensionssystem erhalten, in dem Kauf- und Nutzungserfahrungen der erworbenen Produkte von Kunden für Kunden veröffentlicht werden sollen.[70] Weiterhin hat der Onlinebuchhändler ein Bewertungssystem patentieren lassen, das dem Kunden erlaubt, per Mausklick Rezensionen nach ihrer Qualität zu bewerten.[71]

Kritik

Kontroversen um Arbeitsbedingungen und Tarifbindung

Versandzentrum in Leipzig

Kritik an Arbeitsbedingungen

Amazon Deutschland war wiederholt wegen der Arbeitsbedingungen in deutschen Versandzentren in den Medien. Ähnliche Kritik häuft sich auch über anderssprachige Ableger des Handelshauses, z. B. Amazon.co.uk.[72][73] Laut einer Reportage des britischen Senders BBC existieren in einem Amazon-Versandlager in Swansea schlechte Arbeitsbedingungen.[74]

Zusätzlich ist die Tarifbindung umstritten. Amazon orientiert sich am Tarifvertrag der Logistikbranche. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert höhere Löhne und tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind.[75]

Diesbezüglich gibt es seit dem 9. April 2013 mehrfach Streikaktionen an unterschiedlichen Standorten. Weitere Streiks folgten im Mai und September 2014.[76]

Warnstreiks Dezember 2013

Kurz vor Weihnachten 2013 rief ver.di ihre Mitglieder in den Zentren Leipzig, Graben und Bad Hersfeld zu Warnstreiks unter dem Motto „Work hard, have fun, make Tarifvertrag“ auf. Die Gewerkschaft ver.di forderte eine Bezahlung nach den Tarifen des Versandhandels, wie bei Neckermann und Otto üblich. Einen Tag vor Weihnachten 2013 „entließ“ Amazon nach Angaben ver.dis am erst im November eröffneten Standort Brieselang über 600 befristet Beschäftigte.[77] Amazon Deutschland erklärte, es handle sich um ein Auslaufen von befristeten Verträgen zum Jahresende in Verbindung mit vertraglich vereinbartem Abbau von Urlaub und Überstunden. Die Nichtverlängerung sei bereits bei Vertragsabschluss deutlich gemacht worden. Für (bundesweit) rund 1400 Mitarbeiter würden die Verträge um mindestens ein Jahr verlängert, einige bekämen unbefristete Stellen angeboten. Nach Kritik wegen der hohen Zahl an Leiharbeitsverhältnissen hatte Amazon Deutschland für die Weihnachtssaison 2013 deutschlandweit rund 14.000 Mitarbeiter direkt und befristet angestellt.[78]

Ende Dezember 2013 wurde eine von 1018 Mitarbeitern der Standorte Leipzig und Bad Hersfeld unterzeichnete Unterschriftenaktion veröffentlicht, in der sich die Unterzeichner „von den derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen (…) Verdi[s]“ distanzierten. Die Mitarbeiter betonten, dass das von der Gewerkschaft erweckte „negative öffentliche Bild“ sie „bis ins Privatleben“ verfolge. Verdis Darstellungen entsprächen „nicht der Realität und nicht unserem täglichen Arbeitsleben“.[79][80] ver.di bezeichnete die Aktion als dubios, Unterschriften seien unter Druck bzw. unter Aufsicht des Managements gemacht worden und ein Teil der Unterschriften stamme von inzwischen nicht mehr bei Amazon beschäftigten Saisonarbeitern.[81][82]

Missbrauch der Marktmacht: Preisdiktate und Verkaufsbehinderung

Amazon nimmt höhere Gebühren als andere Anbieter (etwa eBay) und setzt Verkäufer, die ihre Waren zugleich auf anderen Portalen günstiger anbieten, unter Druck und droht mit Entzug der Berechtigung zum Verkauf bei Amazon, wenn nicht trotz der höheren Gebühren der gleiche Endpreis angeboten wird.[83]

Amazon setzte eine Verkaufsbehinderung als Druckmittel gegen Verlage ein. Wer den Forderungen nicht nachkommt, dessen Bücher werden später ausgeliefert, obwohl die jeweiligen Titel problemlos vorrätig wären.[84] 820 unabhängige Buchhändler und Verleger aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg, die sich in der Branchengruppe „Buchhandelstreff“ vereint haben, formulierten eine kritische Stellungnahme:

„Das Ausnutzen von Marktmacht, die bewusste Lieferverzögerung von Titeln ausgewählter Verlage, um Druck aufzubauen, um Konditionenforderungen durchsetzen zu können, ist nicht nur ein bedrohliches Zeichen für die Buchbranche, sondern auch ein klarer Affront gegenüber dem Buchleser und -käufer. Gerade die schnelle Beschaffung des Kulturguts Buch ist die Grundaufgabe des Buchhandels. Wer diese torpediert, um geschäftliche Vorteile zu erzwingen, macht deutlich, wie er mit wachsender Marktmacht umzugehen gedenkt.“[85]

Im August 2014 unterzeichneten 909 Schriftsteller einen offenen Protestbrief gegen Amazon, darunter Stephen King, John Grisham und Paul Auster, der als ganzseitige Anzeige in der Sonntagsausgabe der New York Times erschien.[86] Dabei wurde kritisiert, dass Amazon den Verlag Hachette unter Druck setzte, damit der die Vertragsbedingungen von Amazon akzeptiere. Dies löste Debatten über die zunehmende Monopolstellung von Amazon aus.[87]

Problematisch ist für andere Branchen zudem, dass Amazon von der Buchpreisbindung in Deutschland profitiert. Das Unternehmen kann auf Grund seiner Marktmacht günstig einkaufen, reicht aber günstige Preise wegen der Buchpreisbindung nicht an die Konsumenten weiter. Laut Schätzungen dürfte Amazon hierdurch bis Ende 2013 einen Vorteil in Höhe von bis zu 500 Mio. Euro erhalten haben.[88]

Kritik am Vine Programm

Das Produkttesterprogramm Amazon Vine sieht sich verschiedener Kritik ausgesetzt. So wird Amazon vorgeworfen, mittels der kostenfreien Abgabe von Produkten an die Testergemeinschaft vorrangig positive Rezensionen generieren zu wollen.[60] Der eigentliche Testaspekt trete in den Hintergrund, zumal der größte Teil der Tester nicht in der Lage sei, ein Produkt professionell auf Stärken und Schwächen zu überprüfen.[89] Zudem seien die Auswahlkriterien für Rezensenten undurchsichtig und nicht immer nachvollziehbar. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass bereits durch die kostenlose Abgabe der Produkte das Testergebnis ins Positive verzerrt wird und hat eine entsprechende Warnung ausgesprochen.[60]

Luxemburg-Leaks

Hauptartikel: Luxemburg-Leaks

Im November 2014 wurde durch die sogenannten Luxemburg-Leaks bekannt, dass Amazon.com mithilfe der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers seine steuerlichen Verhältnisse in Luxemburg optimiert hat.[90][91]

Literatur

(chronologisch)

  • Brad Stone: Der Allesverkäufer. Jeff Bezos und das Imperium von Amazon. Campus, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-593-39816-7.
  • Carsten Knop: Amazon kennt dich schon. Vom Einkaufsparadies zum Datenverwerter. Frankfurter Societäts-Medien GmbH, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-89981-301-2.
  • Jan-Felix Schrape: Gutenberg-Galaxis reloaded? Der Wandel des deutschen Buchhandels durch Internet, E-Books und Mobile Devices (Originaltitel amazon.com, übersetzt von Ursula Held). Überarbeitete Auflage, Hülsbusch, Boizenburg 2011, ISBN 978-3-940317-85-8.
  • James Marcus: Amazonia. Mit Mitarbeiter 55 im Epizentrum der Dotcom-Revolution. Schwarzerfreitag, Berlin 2006, ISBN 3-937623-24-8.
  • Rebecca Saunders: amazon.com. Der schnelle Weg groß zu werden (der Schlüssel zum Verständnis von E-Commerce. Netinvestor), FinanzBuch München 2001, ISBN 3-932114-49-3.
  • Robert Spector: amazon.com. Get Big Fast. Jeff Bezos und die Revolution im Handel. DVA, München 2000, ISBN 3-421-05425-8.

Fernseh- und Radiobeiträge

Weblinks

 Commons: Amazon.com – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

 

Quelle: Wikipedia

 

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